Jujuy/Argentinien: Indigenenprojekt Guaraní-Schule El Bananal

Informationen über das Projekt

El Bananal ist ein abgelegener Ort in der nordargentinischen Provinz Jujuy. Rund 98 % der dort lebenden Familien gehören dem indigenen Volk der Guaraní an. Die Menschen leben meist in großer materieller Armut, Kinder und Jugendliche haben nur sehr eingeschränkten Zugang zu Bildung. Die infrastrukturelle Isolation, die fehlenden Freizeitangebote und die wachsende Bedrohung durch Drogenkonsum verschärfen die schwierige Lebensrealität zusätzlich. Politische Entwicklungen der letzten Jahre – wie etwa Verfassungsänderungen, die die Rechte der indigenen Bevölkerung einschränken – haben die Situation weiter verschlechtert.

Vor diesem Hintergrund unterstützt AYUDA e.V. seit vielen Jahren gemeinsam mit der lokalen Projektbetreuerin Silvia verschiedene Bildungs- und Kulturprojekte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Ziel ist es, die persönliche Entwicklung zu fördern, neue Lebensperspektiven zu eröffnen und die guaraníische Identität als wertvolle kulturelle Ressource zu stärken.

Workshops und Schulbildung:

Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist der regelmäßig stattfindende Workshop „Kultur und ganzheitliche Entwicklung“. Hier werden Themen wie Identität, Rechte, Selbstwert, Sexualaufklärung, Gewalt- und Suchtprävention behandelt. Gleichzeitig werden schulische Inhalte unterstützt und die Jugendlichen dazu ermutigt, ihre Ausbildung ernst zu nehmen. Kulturelle Aktivitäten wie traditionelle Tänze, Videoprojekte oder Wandmalaktionen fördern Kreativität und stärken das Gemeinschaftsgefühl.

Ein zweiter wichtiger Baustein sind praxisorientierte Kurse zur beruflichen Qualifizierung in den Bereichen Schweißen und Schreinern. In diesen Kursen erwerben die Teilnehmenden konkrete handwerkliche Fertigkeiten und werden ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu finden. Einige Jugendliche konnten bereits erste Produkte anfertigen und verkaufen – ein ermutigender Schritt in Richtung wirtschaftlicher Selbstständigkeit und beruflicher Zukunftsperspektiven.

Sprache und kulturelle Selbstbestimmung:

Von 2005 bis 2018 finanzierte AYUDA e.V. regelmäßig stattfindenden Sprachunterricht in der indigenen Sprache Guaraní. Ziel war es, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu den Werten und Traditionen ihrer Kultur zu eröffnen und so ihr Selbstbewusstsein im Umgang mit der eigenen Herkunft zu stärken. Der Unterricht trug entscheidend dazu bei, das lange Zeit tabuisierte kulturelle Erbe der Guaraní wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dieser Erfolg hatte weitreichende Folgen: Inspiriert durch die AYUDA-Initiative setzte sich die Leitung der staatlichen Primarschule in El Bananal dafür ein, Guaraní offiziell in den Lehrplan zu integrieren. Seither besitzt diese Schule den Status „bilingual und interkulturell“, und der frühere AYUDA-Lehrer Hugo Bartolo wurde als staatlicher Lehrer übernommen. Auch in der Sekundarschule gibt es inzwischen staatlich finanzierte Workshops mit dem Ziel, den Guaraní-Unterricht dauerhaft zu verankern. Da das ursprüngliche Ziel des Projekts erreicht wurde, konnte der von AYUDA e.V. organisierte Sprachunterricht mit Ende 2018 abgeschlossen werden – als Beispiel für gelungene, nachhaltige Projektarbeit.

Stipendien:

AYUDA e.V. finanziert außerdem jährlich mehrere Stipendien für junge Menschen, die eine weiterführende Schule oder eine Hochschule besuchen möchten. Die Familien können die damit verbundenen Kosten oft nicht allein tragen. Das Stipendienprogramm trägt dazu bei, individuelle Bildungswege zu ermöglichen und langfristige Perspektiven zu schaffen.

Ausflüge und Austausch:

Da es nur sehr wenige öffentliche Verkehrsmittel gibt, haben viele Kinder und Jugendliche kaum Gelegenheit, ihr Dorf zu verlassen. AYUDA e.V. organisiert deshalb regelmäßig Ausflüge, etwa in die Provinzhauptstadt San Salvador de Jujuy oder in die Quebrada de Humahuaca, ein UNESCO- Weltnaturerbe. Dort begegnen die Teilnehmenden anderen indigenen Gemeinschaften, erfahren mehr über ihre Rechte und erweitern ihren Horizont. So lernen sie nicht nur andere Lebensrealitäten kennen, sondern gewinnen auch Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten. Unsere Arbeit in El Bananal lebt vom Einsatz der lokalen Gemeinschaft, insbesondere von engagierten Frauen, die sich als Lehrende, Begleiterinnen und Vorbilder einbringen. AYUDA e.V. dankt ihnen und allen Unterstützer:innen herzlich für ihr langjähriges Engagement.

Eckdaten

Ort: El Bananal, Provinz Jujuy, Nordwest-Argentinien

Wer wird angesprochen: ca. 45 Kinder und Jugendliche der Guaraní

Schwerpunkte der Unterstützung:

  • Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung und kulturellen Bildung
  • Berufliche Qualifizierung durch Kurse in Schweißen und Schreinern
  • Stipendien für weiterführende Bildung
  • Kultureller Austausch und Ausflüge
  • Stärkung der indigenen Identität und Gemeinschaft

Projektbetreuer

Michael Wulff

Kontakt:  mw_x01@gmx.de   

Einblicke in das Projekt

In El Bananal führt AYUDA e.V. seit 2020 in jedem Jahr einen Workshop für Kultur und ganzheitliche Entwicklung durch, der sich an Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 und 14 Jahren wendet.
Der Workshop Schweißen profitierte nicht nur von dem durch AYUDA e. V. bereitgestellten Material, sondern konnte sich über eine Altmetallspende der Firma Ledesma, dem größten Arbeitgeber der Region, freuen.
Viele Kinder in El Bananal müssen ab ihrem 7. Lebensjahr als Tagelöhner in der Ernte zum Broterwerb beitragen.
Anfang September 2018 unternahmen knapp 40 Kinder und Jugendliche aus El Bananal eine zweitägige Busreise nach Humahuaca. Ermöglicht wurde dieser Ausflug durch die finanzielle Unterstützung von AYUDA e.V.
3 Guaraní-Lehrer:innen unterrichten 45 Kinder und Jugendlichen sowohl in Spanisch als auch in ihrer Sprache Guaraní.
Der Wald ist Lebensraum und Zuhause für die Kinder in El Bananal.