Bericht von Rebecca aus Salta

Freiwilligendienst im Kinderhort "Changuito Diós"

Seit mehreren Jahren wünsche ich mir, einen Freiwilligendienst in einem südamerikanischen Land zu machen. Durch AYUDA e.V. bekam ich die Möglichkeit zwei Monate in der Fundación Changuito Diós, einem Kinderhort in Salta- Argentinien zu verbringen. 

Die ersten vier Tage meiner Reise verbrachte ich in Buenos Aires. Ich war das erste Mal in Südamerika und erhielt einen kleinen Einblick in die argentinische Lebensweise. Die Stadt ist riesig und ich wusste, dass mich in Salta, im Norden Argentiniens, etwas anderes erwarten würde.

Angekommen in Salta, brachte mich Victor, der sehr offene Heimleiter, erstmal in den Kinderhort. Dort wurde ich herzlich von den Betreuern und Kindern begrüßt. Die Kinder sprangen direkt in meine Arme, strahlten mich an und fragten mich neugierig aus. Genauso wie auch ich, interessieren sie sich sehr für andere Kulturen und die Lebensweise auf der anderen Seite der Welt. Total süß war, dass es für die Kleinen unvorstellbar war, dass ich mit einem Flugzeug so lang geflogen bin. Sie dachten ich bin mit dem Colectivo (Stadtbus) gekommen. 

Der Kinderhort Changuito Dios liegt in einem ärmeren Viertel im Süden Saltas. Kinder im Alter von einem bis zu 14 Jahren kommen täglich hierhin. Die Schulkinder kommen vor oder nach der Schule in den Hort und die Jüngeren verbringen den ganzen Tag von ca. 8:30 bis 17:30 dort, während ihre Eltern einer Arbeit nachgehen. Im Kinderhort gibt es einen Gruppenraum für Babys und einen für Kleinkinder. Der große Speisesaal wird auch als Aufenthaltsraum für die Gruppe im Alter von drei bis fünf und von sechs bis 14 genutzt. Morgens frühstücken hier alle zusammen und um 12:00 gibt es leckeres, abwechslungsreiches Mittagessen. Bevor die Kinder abgeholt werden, essen sie noch die merienda, die meistens aus Mate und Brot oder Joghurt besteht. Der Hort hat noch einen Innenhof und außen um das Gebäude eine große Rasenfläche, einen Gemüsegarten und einen Platz zum Fußballspielen. 

Zu Beginn hatte ich mit den kleineren Kindern leichte Verständnisprobleme, da sie noch nicht differenzieren können mit wem sie sprechen. Die älteren Kinder und die Betreuer aus dem Heim haben sich am Anfang immer viel Mühe gegeben sehr deutlich zu sprechen, wodurch mir die Eingewöhnung sehr leichtfiel. Ich wurde direkt am ersten Tag in das Geschehen integriert und fand sehr schnell viele Tätigkeiten, die sowohl mir als auch den Kindern Spaß machten. Schon nach einer Woche hatte ich mich in die Abläufe eingefunden und feste Aufgaben übernommen.

Mein Tag im Hort startete immer um 9:00 mit dem Frühstück. Anschließend habe ich Hausaufgaben mit den älteren Kindern gemacht, danach ein bisschen gespielt oder gebastelt und vor dem Mittagessen waren wir noch mit den jüngeren draußen Schaukeln oder Fußballspielen. Beim Mittagessen fütterte ich die Babys und aß danach selber mit den anderen Erziehern. Im Anschluss war ich meistens eine Stunde mit den Kindern draußen und später habe ich den Kindern, die morgens in der Schule waren, bei den Hausaufgaben geholfen. Am Nachmittag habe ich oft mit einer Gruppe von Kindern eine spezielle Aktivität durchgeführt und um 17:00 gab es dann den Nachmittagssnack. Wenn eine Betreuerin gefehlt hat, habe ich auch mal auf die Babys aufgepasst und mit ihnen gespielt. An vielen Orten im Hort kann immer wieder Hilfe gebraucht werden, da zu jeder Tageszeit eine Vielzahl an Kindern vor Ort ist.

Schon vorher hatte ich viele Ideen für Aktivitäten, die ich mit den Kindern machen wollte. Durch mein eigenes Interesse am Sport, wollte ich viele sportliche Aktivitäten anbieten, aber auch künstlerisches, wie malen und basteln. Die meisten Kinder sind für vieles offen und bringen Motivation mit, neue Dinge zu lernen.

In meiner Zeit dort habe ich eine Olympiade mit verschiedenen Sportaktivitäten durchgeführt. Zusätzlich spielte ich morgens und nachmittags mit den Kindern verschiedene Sportspiele. 

Als künstlerische Aktivitäten haben wir Blumen gebastelt, Tischspiele erstellt und unendlich viele verschiedene Armbänder geknüpft. Die Kinder haben sich immer sehr darüber gefreut, dass sie etwas hatten, was sie mit nach Hause nehmen können. Das Highlight war hier für mich und auch für die Kinder ein großes, buntes Wandbild, das wir auf der Mauer gemalt haben. 

Die meisten Kinder hatten noch nie gebacken, weshalb ich mich dazu entschied mehrmals Kekse, Brownies und Pfirsichkuchen mit ihnen zu machen. Sie hatten super viel Spaß beim Backen und Essen und jeder wollte helfen.

Jeden Tag aufs Neue, bin ich super gerne dorthin gegangen, um meine Zeit mit den Kindern zu verbringen. Jedes einzelne Kind benötigt super viel Aufmerksamkeit, Zuneigung und liebe Worte. In Form von Bildern, netten Worten und Umarmungen bedanken sie sich täglich bei einem.

Die Kinder erzählen einem auch immer mal wieder, nicht so schöne Geschehnisse von zu Hause. Es hat mich jedes Mal kurz traurig gemacht, aber auch nochmal mehr angespornt, den Kindern die Zeit im Hort besonders schön und mit interessanten Aktivitäten zu gestalten. Ich habe viel mit den anderen Betreuern darüber gesprochen, um die Hintergründe und auch teilweise die Verhaltensweisen der Kinder besser zu verstehen. Dadurch habe ich auch viel über die Kultur in Argentinien, speziell in Salta gelernt.

Nach ein paar Wochen fingen noch andere Freiwillige aus Belgien und Kolumbien an, im Hort zu arbeiten. Mit ihnen oder meiner Gastfamilie verbrachte ich meine Freizeit abends und am Wochenende. Wir erkundeten Salta, kleinere umliegende Dörfer, Cafayate und die Provinz Jujuy. Die Landschaft im Norden Argentiniens ist super abwechslungsreich und sehenswert. Überall lernten wir offene Menschen kennen und verbrachten schöne Wochenenden in verschiedenen Gegenden.

Meine Zeit im Kinderhort verging viel zu schnell und der Tag des traurigen Abschieds kam. Ich erhielt jede Menge selbstgemalte Bilder und wir machten noch einige Fotos. Ich wusste und bin mir auch immer noch sicher, dass ich für einen Besuch nochmal zurückkommen würde!

Insgesamt herrscht im Hort in Salta eine schöne, familiäre Atmosphäre, in der jeder seinen Platz findet. Ich kann jedem, der Spaß an der Arbeit mit Kindern hat, empfehlen eine Zeit in der Fundación Changuito Diós zu verbringen. Alle Menschen aus diesem Projekt haben durch ihre hilfsbereite und liebevolle Art für immer einen Platz in meinem Herzen eingenommen.

Eckdaten

Ort:Salta, Provinz Salta, Nordwest-Argentinien
Jahr:2019
Dauer:8 Wochen
Freiwillige:Rebecca
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